Erbengemeinschaft

Wenn sich die Erben nicht einig sind Erbengemeinschaft

Wenn mindestens zwei Personen den Verstorbenen beerben, bilden diese eine Erbengemeinschaft. Entweder hat der Erblasser eine letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) hinterlassen, in welcher die Erben benannt sind. Anderenfalls bilden die gesetzlichen Erben die Erbengemeinschaft.
Nicht Miterbe sind folglich Pflichtteilsberechtigte und Vermächtnisnehmer. Sie haben lediglich einen Zahlungs- oder Herausgabeanspruch gegen die Erben.

Die Erben treten eigentumsrechtlich in die Vermögensposition des Erblassers ein. Zu Konflikten führt diese Situation oft deshalb, weil alle Erben Eigentümer des gesamten Nachlasses werden. Ihnen gehört damit z. B. das ganze geerbte Grundstück, das ganze Auto, die gesamte Wohnungseinrichtung, aber auch ggf. der gesamte geerbte Handwerksbetrieb. Keinem Erben gehört ein bestimmter Nachlassgegenstand. Über einen Nachlassgegenstand können also nur alle Erben gemeinschaftlich verfügen, d. h. sie können beispielsweise den Pkw nur gemeinsam verkaufen. Kann man sich nicht einigen, bleibt nur eine gerichtliche Entscheidung.

Abweichendes von diesem Grundsatz gilt nur für den so genannten Voraus des Ehegatten, das sind vor allem die Gegenstände der gemeinschaftlichen Haushaltsführung, wie die Wohnungseinrichtung. Diese Gegenstände stehen dem Ehepartner ohne Anrechnung auf sein Erbteil zu und unterliegen daher auch nicht der gemeinschaftlichen Verwaltungsbefugnis der Erben.

Die Erben bilden eine gesetzliche Eigentumsgemeinschaft, was bedeutet, dass die Verwaltung des Nachlasses allen Miterben gemeinschaftlich zusteht. Ist ein geerbtes Grundstück zu verkaufen oder zu vermieten? An wen soll es vermietet werden und zu welchem Preis? Welche Reparaturen sind notwendig? usw. Erkennbar liegt hier viel Streitpotential, wenn Uneinigkeit besteht.
Verwaltung des Nachlasses
Folgendes ist bei der Verwaltung des Nachlasses zu beachten:
Alle regulären Verwaltungsmaßnahmen, wie Begleichung von Verbindlichkeiten, Durchsetzung von Forderungen, Vertragsabschlüsse, Kündigungen u. a., können nur von den Erben gemeinschaftlich veranlasst werden, bei Uneinigkeit entscheidet die einfache Mehrheit der Erbanteile.
Außerordentliche Verwaltungshandlungen, z. B. die Veräußerung eines Grundstücks, bedürfen der einstimmigen Beschlussfassung aller Erben. Gegebenenfalls muss die Zustimmung eingeklagt werden.
Eine Notgeschäftsführung allerdings, z. B. die Reparatur des Wasserrohrbruchs in einer Nachlasswohnung, kann von jedem Miterben veranlasst und die Erbengemeinschaft bzw. der Nachlass damit zur Zahlung der Reparaturkosten verpflichtet werden.

Jeder Miterbe hat einen gesetzlichen Anspruch darauf, die Erbengemeinschaft zu jedem Zeitpunkt zu beenden. Dies geschieht durch einen Erbauseinandersetzungsvertrag, in welchem der gesamte Nachlass auf die einzelnen Miterben verteilt wird. Hat der Erblasser Teilungsanordnungen erlassen, sind diese zu berücksichtigen.
Der Erbauseinandersetzungsvertrag kann handschriftlich geschlossen werden. Nur wenn Grundstücke, Eigentumswohnungen oder Gesellschaftsanteile einer GmbH zum Nachlass gehören, muss der Vertrag notariell beurkundet werden. Sind minderjährige Kinder beteiligt, muss das Familiengericht zustimmen.
Teilungsklage
Können sich die Erben nicht einvernehmlich über die Aufteilung des Nachlasses einigen, erfolgt die Auseinandersetzung über eine Teilungsklage. Der die Teilung betreibende Miterbe muss einen vollständigen Teilungsplan vorbereiten, dem Gericht vorlegen und die übrigen Miterben auf Zustimmung verklagen.

Streitigkeiten der Erbengemeinschaft können vorausschauend durch den Erblasser vermieden oder gemildert werden. Der Erblasser kann neben der Festlegung von Erbquoten auch eine Teilungsanordnung erlassen, mit welcher er einzelne Nachlassgegenstände bestimmten Erben zuteilt, also einem Erben das Gartengrundstück, einem anderen Erben den Pkw etc. Wertdifferenzen sind dabei durch Geldzahlungen auszugleichen. Auch das Bewertungsverfahren kann der Erblasser vorausschauend im Testament festlegen, indem er z. B. die Bewertung durch einen von der IHK zu benennenden Gutachter wünscht.
Vermächtnis
Durch die Anordnung eines Vermächtnisses kann der Erblasser einer Person einen Vermögensvorteil verschaffen, ohne dass dieser Mitglied der Erbengemeinschaft wird und damit den Kreis der „Mitspracheberechtigten“ unnötig vergrößert.
Auch den eingesetzten Erben kann - mit oder ohne Anrechnung auf den Erbteil - ein so genanntes Vorausvermächtnis eines bestimmten Gegenstandes zugewendet werden. Der Vermächtnisgegenstand ist der gemeinschaftlichen Verfügung und Verwaltung der Erbengemeinschaft damit entzogen.

Jeder kann also durch eine sinnvolle Testamentsgestaltung zur Vermeidung von Erbstreitigkeiten und zur Erhaltung des Familienfriedens beitragen. Dies setzt eine fachkundige Beratung über die bestehenden Möglichkeiten vor der Testamentsabfassung voraus, bei der ich Sie gern unterstütze.